Sonntag, 5. September 2021

11. Tag: Finocchio - Labaro


Wenn alle Wege zum gleichen Ziei führen (Rom), dann macht dies die Auswahl des eigenen Weges nicht unbedingt leichter. In Anbetracht der kurzen Etappe heute, entschieden wir uns für den etwas beschwerlichen Weg abseits der Hauptroute. Was zunächst gut über Felder und Wiesen funktionierte, hielt dann an einer mit einem Seil abgespannten Rampe eine körperliche Anstrengung bereit. Hier haben wir die Räder nur einzeln zu zweit herauf bugsiert bekommen. Unglücklicherweise waren im anschließenden Wohngebiet am frühen Sonntagmorgen die mit einem Tor abschließbaren Privatstraßen noch nicht wieder für den Verkehr freigegeben und die erste Alternative führte direkt in einen Vorgarten, deren Besitzerin noch schnell die Toreinfahrt verschloss, bevor wir einfahren konnten. Nach so viel ungewollter Abwechslung haben wir uns dann doch für die klassische Einfahrt über bereits ausgetretene Wege (Hauptstraßen, die aber glücklicherweise von einem Radweg flankiert waren) entschieden. 
Dann sind wir endlich in Rom, für mich das dritte Mal. Doch heute haben wir eine Mission zu erfüllen. Das 35. Land zu unserer Europa-Radtour-Liste hinzuzufügen: den Vatikanstaat. Bei einer Klassenfahrt 1988 bin ich bereits einen ganzen Tag durch das Vatikanmuseum geirrt. Beim zweiten Besuch während einer Interrailreise 1991 war der Einlass auf den Petersplatz schon nicht so einfach. Mit Rucksack und kurzer, bunter Hose waren wir zunächst unerwünscht, aber einfaches Herunterziehen der Hosen über die Knie schuf damals Abhilfe. So einfach war es heute leider nicht. Mit dem Fahrrad scheiterten wir schon an der ersten Absperrung, so dass wir die erste Hürde nur getrennt passieren konnten. Für die zweite Absperrung auf das Zentrum des Petersplatzes waren wir dann wohl schon zu spät, da das Mittagsgebet bereits angefangen hatte. Nach eingehender Kontrolle über Google-Maps waren wir uns sicher, zweimal zumindest 10 Meter hinter der Grenze zum Vatikanstaat gestanden zu haben. Die Mission war also erfüllt, auch wenn die Fahrräder draußen bleiben mussten ....




11. Tag: Finocchio - Labaro

So, wir waren heute puenktlich um 12.00 am Vatikan und haben uns den Mittagssegen vom Papst abgeholt(s. Pfeil im Bild) . Jetzt kann doch nichts mehr schief gehen, oder? Die Fahrräder durften leider nicht mit rein - so schön konnten Falko und Frank gar nicht reden. Die Sicherheitsbeamten sind stur geblieben.
Wegen dem Aufenthalt in Rom haben wir heute nur 50 km eingeplant. Der Stadtverkehr stadteinwärts war weniger problematisch als erwartet (das mag daran liegen, dass heute Sonntag ist) und stadtauswärts konnten wir einem tollen Tiberflussradweg folgen, so dass es ein angenehm ruhiger Tag hätte werden können. Aber wir haben die Touristenmengen im Zentrum unterschätzt: wir haben uns langsam im Touristenstrom vom Colloseum zum Trevibrunnen und weiter zum Vatikan treiben lassen müssen. 
Trotzdem ein toller Tag. 



Samstag, 4. September 2021

10. Tag : Ceccano - Finocchi

Italien - Land des Nutella!
In jeder guten Bar gibt es hier einen großen Bottich mit Tülle voll mit Nutella, ähnlich den Ketchup oder Mayobottichen in dem deutschen Pommesbuden.
Wenn man morgens zum Frühstück ein Croissant bestellt und man auf die Frage des Barbesitzers "con Nuttella? " mit "si, con Nuttella" antwortet, dann rammt er das Croissant in die Tülle und pummt soviel Nuttella in das Croissant, dass es überall herausdrueckt. Gefühlt schafft man den gesamten Inhalt eines 400 gr. Nutellaglasses in so ein Croissant zu pumpen..... Lecker!!!!
So gestärkt sind wir in die heutige 111 km  Etappe mit 1300 hm gestartet. Erwartet hat uns ein irrertoller Fahrradweg erbaut auf einer alten Bahntrasse ab Fiuggi auf ca 750 hm: es folgte eine rauschende Talabfahrt mit irretollem Ausblick.
Morgen klingeln wir beim Papst. Wir hoffen, dass er Fahrradfahrer mit kurzen Radhosen in den Vatikanstaat einlässt. 

10. Tag: Ceccano - Finocchio

Heute melden wir uns aus Finocchio, das liegt in der Metropol-Region Rom. Gestern Abend war die Übergabe der Tour-Verantwortung: bis 24:00 lag die Tourplanung in Franks Händen, seit 00:00 bin ich verantwortlich. Und es war leichtes Spiel für mich: 
Man sagt: alle Wege führen nach Rom, was kann man da falsch machen? 
Man sagt: Rom ist auf 7 Hügeln erbaut. 8 davon haben wir heute überquert.
Man sagt: Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Das stimmt vermutlich, aber es sieht so aus!
Aber zurück zur heutigen Etappe: von Acuto über Piagge nach San Giovanni sind wir der Trasse einer ehemaligen Bahnstrecken gefolgt. Die Schienen sind zurückgebaut, der Weg ist asphaltiert. Die Trasse liegt eng am Hang und bietet eine wunderschöne Aussicht. Toll. 

Freitag, 3. September 2021

09. Tag: Roccamonfina - Ceccano

Heute hatten wir in unserer Unterkunft mal wieder ein gutes Frühstück, so dass wir den Tag gestärkt beginnen konnten. Die ersten 12 km bestanden aus einer rauschenden Bergabfahrt, in die wir unsere gestern gewonnenen Höhenmeter vollständig investierten, bis wir wieder auf Meereshöhe waren. Daran schloss eine lange Flachpassage an, ehe wir ab km 43 zu einem Anstieg mit 650 Höhenmetern ins Landesinnere ansetzten. Glücklicherweise war es im Anstieg etwas bewölkt, so dass es nicht ganz so heiß war. Während an der Küste doch stärkerer Autoverkehr unterwegs war, waren wir in den Bergen angenehm alleine unterwegs. Jetzt sitzen wir in unserem Hotelzimmer und sind erwas geschafft vom Tag. Heute war der letzte von mir geplante Tag, ab morgen müssen wir uns auf Falkos Planung verlassen ...

Sieh dir meine Aktivität auf Strava an: https://strava.app.link/ETHB7qR4fjb





Donnerstag, 2. September 2021

08. Tag: Neapel - Roccamonfina

Hier geht erstmal nichts mehr. Ich dachte immer, in Italien wird nach Gehör eingeparkt. Am Steuer eines Lkws wird aber auch nach Gehör gefahren. Im Schritttempo. Sicher ist sicher.

08. Tag: Neapel - Roccamonfina

Heute lief es wieder mal nicht so richtig rund: erst der fürchterliche Stadtverkehr in Neapel, dann das lange Warten auf den Betreiber der privaten Unterkunft und das Restaurant am Zielort hatte auch geschlossen. Irgendwas ist ja immer.
Ansonsten sind wir gut durch den Tag gekommen, obwohl es wieder sehr anstrengend war. 
Mir fällt auf, dass die vorhandenen Straßen hier verwahrlosen, während ständig neue, zum Teil überflüssige Fernstraßen gebaut werden. Ich betrachte die Situation aus der Perspektive des Steuerzahlers und sehe, dass für den Bau von Autobahnbrücken ausreichend Fördergelder vorhanden sind, während das, was mir als Radfahrer geboten wird, unter aller Kanone ist. Bestes Beispiel sind die Radwege in Neapel: die Fahrradspur im Tunnel? Gesperrt. Der Radweg neben der engen Straße? Verwahrlost und mit Hindernissen zugestellt. Oder kurz: die Radwege in Neapel sind noch schlechter als die in Sindelfingen, während genug Geld für Autobahnbrücken vorhanden ist. Läuft da vielleicht in Brüssel etwas gehörig schief? Gibt es falsche Subventionsanreize? 
In einer Stadt nördlich von Neapel wurde eine Brücke über einen Fluss wegen Baufälligkeit gesperrt. Was hat man mit dem maroden Bauwerk gemacht? Man hat die Brücke als Radweg ausgeschildert, dafür reicht es ja noch.

08. Tag: Neapel - Roccamonfina

So, wir haben die Nachtfahrt auf der Fähre nicht nur überlebt sondern auf dem Schiff auch recht gut gegessen.

Jetzt sitzen wir in Neapel in einem Cafe und ich trinken meinen zweiten Kaffee der diesjährigen Tour. Am 8. Tag.

Mittwoch, 1. September 2021

07. Tag: Caccamo - Palermo

Wir sind am Hafen Palermo angekommen: um 20.00 startet die Fähre aufs Festland.
Das frühe Aufstehen um 6.00 wäre nicht nötig gewesen, wir waren ueberpuenktlich in Palermo, aber so haben wir noch Zeit für einen Kaffee in Palermo. 
Die "Nationalstrassenvermeidungsstrategie" hat uns heute 3 sehr steile Anstiege mit über 15% zugemutet. 2 dieser Rampen waren mit je ueber 200 hm zu bewältigen. Bei mir heißt es dann nur noch Schieben. Doch mit dem vielen Gepäck und 4l zusaetzlicher Wasserreserve ist auch das Schieben kaum noch machbar, so dass Falko mir bei einem sehr steilen (aber Gott sei Dank nur kurzem) Stück von fast 20% zur Hilfe geeilt ist. War ich am fluchen......
Aber mit der Einfahrt nach Palermo ist man nur noch überglücklich, alles geschafft zu haben. Und: wir hatten wirklich fast keinen Autoverkehr bei einer supertollen Aussicht.
Hoffentlich geht es so toll in der 2ten Woche weiter. 

07. Tag: Caccamo - Palermo

Nach einer kürzeren Etappe heute sitzen wir noch in einem Cafe am Hafen von Palermo. Auf die Fähre nach Neapel kommen wir erst um 17:30 Uhr. Dann gehen 7 schöne Tage in Sizilien zu Ende. Zum Fahrrad fahren war es super und auch das sizilianische Essen ist erstklassig. Etwas schade waren nur die vielen von den Waldbränden schwarz vernichteten Landflecken und das damit einhergehende Müllproblem (was nicht verbrannt werden kann wir einfach im Müllsack an den Straßenrand geschmissen). Direkt hinter Caccamo sind wir heute noch an einer Talsperre vorbeigekommen.

Sieh dir meine Aktivität auf Strava an: https://strava.app.link/aB9vf07scjb

06. Tag: Collesano - Caccamo

Heute sind wir gegen 19:00 an unserer Unterkunft angekommen. Dann mussten wir nur noch den Schlüssel von der Ferienwohnung abholen und nur noch 54 Stufen hoch zur Unterkunft. Also habe ich dss Fahrrad, die Packtaschen und mich 54 Stufen hochgeschleppt. Die Mühe war nicht umsonst: im Dunkel der Nacht können wir von unserem Zimmer auf die dunkle Burgruine schauen. Man sieht zwar nichts, aber letztendlich geht es ja darum, was man nicht sieht. In unserem Fall sehen wir eine der größten mittelalterlichen Burgen Siziliens nicht. 
Zum Vergleich: In einem Raum, in dem vor einigen Stunden Klavier gespielt wurde herrscht ja auch eine andere Stille, als in einem Raum, in dem nie Klavier gespielt wurde. 

06. Tag: Collesano - Caccamo

Autofreie Straßen sind für Fahrradfahrer ideal. Alle? Fast alle. Strassen, die a) aufgrund Treppen oder b) aufgrund Erdrutsch nicht für Autofahrer geeignet sind, sind auch meistens für Fahrradfahrer problematisch. Wir hatten heute beide Situationen, was uns aber nicht von unserem Ziel abgehalten hat, sondern nur die Anreisezeit auf schweisstreibende Weise verlängert hat. Heute habe ich nicht nur Muskelkater in den Beinen vom Radeln sondern auch in den Armen vom Schieben und Tragen.
Kurzum: Es war ein herrlicher Tag und wir haben uns das leckere 5 Gänge Abendmenu (Antipasti, Pasta, Pizza, Tiramisu und Limoncelli) redlich verdient.