Samstag, 6. September 2025

Tag 14: Bort-les-Orgues - Clermont-Ferrand

Der letzte Fahrradtag der Tour 2025 startet bei Superwetter und mit einem schweren Anstieg. Direkt ab Hotel gilt für mich: erst mal bergauf schieben. Der heutige Anstieg wird bis ca 15.00 Uhr dauern. Die Etappe führt uns auf über 1268 Hm auf den Col de Guery. In dem mondänen Skidörfchen Mont-Dore gönnen wir uns einen leckeren Nutella-Crepe. Hier fährt man mit Ferrari und Masserati zum Nachmittagscafe. Die Aussicht vom Col de Guery ist herrlich. Das zieht auch viele andere Touristen an. Während die Tage zuvor eher ruhig und die Region eher wenig von Touristen frequentiert wird, sind die letzten Strassenkilometer vor Clermont-Ferrand stark frequentiert, sowohl von Auto- als auch Radfahren. Im Juli diesen Jahres war diese Strecke Teil der Tour de France 2025.
Kurz vor 19.00 kommen wir nach 90 km und 1450 Hm völlig kaputt aber überglücklich an unserem diesjährigen Zielort Clermont-Ferrand an. ENDE der Tour 2025. Weiter geht es im Sommer 2027 von Clermont-Ferrand Richtung Norden.

Freitag, 5. September 2025

Tag 14: Boet-les-Orgues - Clermont-Ferrand

Nachdem wir gestern vom Regen durchnässt fürchterlich gefroren hatten, zeigt sich das Wetter heute versöhnlich. 
Gutes Wetter können wir gut gebrauchen, denn heute steht nochmal eine anstrengende Etappe auf dem Programm: von Bort-les-Orgues gehte es erstmal knackig steil hoch auf die Staumauer der Barrage de Bort-les-Orgues, die 124m hoch das Tal der Dordogne absperrt und einen 18km langen Stausee aufstaut 
Im weiteren Verlauf fahren wir einmal quer durch die Auvergne, dem größten Vulkan-Komplex Europas. Hier werden wir mit einem grandiosen Ausblick über die hügelige Landschaft belohnt. 

Aber auch dieser Ausblick muss erst erkämpft werden - mit einer Höhe von 1268m ist der Pass Col de Guéry nichts, was man nebenbei vernascht. Die Anstiege der Auvergne sind nicht leicht sondern lang und steil.
Kein Wunder, dass auch hier die Tour de France regelmäßig vorbeifährt.
Bei der Planung der Stadteinfahrt von Clermont-Ferrand habe ich mich allerdings etwas verkünstelt, das Ziel, jeden Autoverkehr zu vermeiden, habe ich übererfüllt.
Am Ende waren es heute 89km und über 1450 Höhenmeter bis zum Hotel in Clermont-Ferrand, unserem heutigen und diesjährigen Zielort. Das Hotel liegt direkt neben der Autovermietung: morgen geht es mit dem Mietwagen in Richtung Heimat.

Donnerstag, 4. September 2025

Tag 13: Aurillac - Bort-les-Orgues

Heute war uns Petrus nicht gnädig gestimmt: wir sind in Aurillac schon mit Nieselregen gestartet und bis zum Mittagessen waren wir klatschnass. Soviele Regenunterstände konnten wir gar nicht finden, wie es Starkregen gab. Zu Mittag haben wir dann ein supernettes kleines Cafe mit Mittagstisch und geheitztem Innenraum gefunden, wo wir a) gut gegessen haben und b) uns wieder aufwärmen konnten. Nachmittags hatten wir mehr "Glück" mit dem Wetter: immer wenn der Starkregen kam, haben wir einen Unterstand gehabt. Die Ankunft in unserem Zielort Bort les Orgues ist ernüchternd. Die Stadt wirkt wie eine Geisterstadt: fast alle Geschäfte und Restaurants scheinen entweder dauerhaft geschlossen oder bald dauerhaft geschlossen zu sein.
Ausserdem scheint Bort-les-Orgues der Ausbildungsort der französischen Luftwaffe zu sein: hier donnern abends um 23.00 im 5 Minutentakt die Kampflugzeuge im Tiefflug über unser Hotel. 

Tag 13: Aurillac - Bort-les-Orgues

Auf einer Radtour geht es jeden Tag aufs Neue darum, die Probleme des Tages zu lösen, auszuhalten und weiterzufahren. Zum Ende der zweiten Woche gibt es ausreichend Rückmeldung von meinem Körper, die mich nicht gerade beflügeln: sei es von den Knien und Waden, dem Gesäß oder den Handballen - ich bin halt nicht mehr Anfang zwanzig. Auch nicht Ende.
Aber all das tritt in den Hintergrund, wenn man völlig durchnässt ist und einfach nur friert. Das Wetter hat von Anfang an klar gemacht, dass es heute nicht gut läuft. 

Phasenweise hat es derart geschüttet, dass wir schnell einen Unterstand brauchten: mal ein Vordach, mal eine Scheune und mal ein Brennholz-Verschlag. Völlig durchnässt ist einem jeder Regenschutz recht: any port in a storm.
Gegen 13:00 Uhr erreichen wir klatschnass und durchgefrohren eine Brasserie und essen etwas Warmes (und Leckeres) - im Unterschied zu den Berufstätigen in Mittagspause verzichten wir auf den Wein. Dann eröffnet sich laut Wetter-App ein regenfreies Zeitfenster. 
Beim nächsten Wolkenbruch gehen wir proaktiv vor und verkriechen uns in eine Scheune, bevor es aus Kübeln schüttet.
Anschließend fahren wir über eine zu einem Radweg umgebaute ehemalige Bahntrasse weiter Richtung Norden. Früher fuhr die Bahn durch einen Tunnel, heute fahren wir durch den Tunnel.
Gegen 19:15 erreichen wir Bort-les-Orgues. Seit dem Bau des Staudamms ist die Stadt vom Bahnnetz abgeschnitten und isoliert. So fühlt man sich hier auch.
Was bleibt ist die Erfahrung, lange nicht mehr so durchnässt gewesen und so stark gefroren zu haben.



Mittwoch, 3. September 2025

Tag 12: Villefranche de Rouegue - Aurillac

Nach knapp 110 km und 1.400 Höhenmetern sind wir in Aurillac in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Zentrum Frankreichs angekommen. 

Es handelt sich um eine Stadt, die ich nicht unbedingt ein zweites Mal besuchen muss. Viele Geschäfte und Restaurants haben dauerhaft geschlossen oder deren Scheiben wurden eingeschlagen und nur notdürftig mit Holzbrettern gesichert. Grund dürfte auch das alljährliche Theaterfest im August sein, bei dem es dieses Jahr zu erheblichen Ausschreitungen gekommen war. 
Die Etappe war heute wunderschön: bei herrlichem Wetter und ohne Regensorgen sind wir nach der Stadtausfahrt von Villefranche zunächst über kleine Nebenstraßen, dann an einem malerischen Fluss und schließlich über einen seichten Berg mit im Schnitt moderaten 3 % Steigung gefahren. 
Für morgen rechnen wir zumindest beim Wetter mit einer Verschlechterung, was 3 Gründe hat: a) die Wettervorhersage lässt nichts Gutes erahnen, b) Aurillac zählt zu den kältesten Städten Frankreichs und c) die Stadt war im 19. Jahrhundert bekannt für ihre Regenschirmproduktion – noch heute ist sie als „Hauptstadt des Regenschirms" bekannt. Einen solch begehrten Titel holt man sich auch in Frankreich nicht ohne Grund  ..  

Tag 12: Villefranche-de-Rouergue - Aurillac

Aurillac, unser heutiger Zielort, liegt auf über 600 Hm und damit war schon beim Frühstück klar: könnte heute etwas anstrengender werden. Aber die zurückgelegte 110 km Strecke mit insgesamt knapp 1400 Hm erweist sich als angenehmer als erwartet. Vormittags geht es über weite Strecken an einem wunderschönen Fahrradweg am Fluss L`Algouse entlang und nachmittags fahren wir bei angenehmen 2 bis 4% Steigung auf neu asphaltierter Fahrradstrecke am Fluss La Ranche hoch nach Aurillac. Grossteils Autofrei und durch Waldgebiete, so dass wir viel Schatten vor der heute intensiven Sonne hatten. Alles in allem: ein perfekter Fahrradtag, auch wenn die Beinmuskulatur mal wieder stark beansprucht wurde.

Tag 12: Villefranche-de-Rouergue - Aurillac

Die letzten Tage waren anstrengend, der heutige erst recht. Wir frühstücken um 07:30, um 08:30 sitzen wir auf den Rädern und fahren los - das Trikot schwitzt nicht von selbst. Das Garmin zeigt am Abend stolze 108km und rund 1400 Höhenmeter. 
Auch heute ist es eine Art Flusskreuzfahrt: wir starten in Villefranche-de-Rouergue am Fluss Aveyron und fahren zwei Flüsse weiter zum Le Lot. Alles Flüsse, die von Ost nach West fließen, während wir von Süd nach Nord fahren.
Weiter geht es nach Maurs, von wo aus wir dem Flüsschen La Rance folgen. Eigentlich ist es nur ein Bach, dessen Verlauf eine kleine Straße folgt. Da solche Gebirgsbäche dazu neigen, ständig bergab zu fließen, geht die Straße ständig bergauf.
Erfreulicherweise ist alle 1000m ein Schild installiert, dass die absolute Höhe und die Steigung auf dem nächsten Kilometer angibt. Wir starten in Maurs auf einer Höhe von 240m und folgen dem Bach Le Rance bis auf 721m Höhe. Immerhin fast 500 Höhenmeter am Stück. 
Am Abend erreichen wir Aurillac in der Auvergne. Aurillac hat eine Städtepartnerschaft mit Bocholt - nach kurzem Rundgang habe ich den Eindruck, Gelsenkirchen oder Duisburg wären passender.

Tag 12: Villefranche de Rouegue - Aurillac

Nach knapp 110 km und 1.400 Höhenmetern sind wir heute in Aurillac in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Zentrum Frankreichs angekommen, einem Ort, den ich nicht unbedingt ein zweites Mal besuchen muss. Es war schwer genug, heute Abend ein Restaurant zu finden, da ein Großteil der bei Google gelisteten Restaurants entweder schon wieder dauerhaft geschlossen ist oder komplett ohne Gäste auskommen muss, was uns eher skeptisch zurücklässt. Außerdem sind in einigen Geschäften die Scheiben eingebrochen umd nur notdürtig mit Holzbrettern gesichert. 
Ehrenhalber kann hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Stadt in den letzten 2 Monaten auch richtig Pech hatte. Zunächst gab es am 7. Juli 2025 eime Bienenattacke bei der innerhalb von rund 30 Minuten insgesamt 24 Personen verletzt wurden, davon drei in kritischem Zustand. Dramatischer waren jedoch Verwüstungen im Zusammenhang mit dem alljährlichen Festival International de Théâtre de Rue am 20. und 23. August 2025.  Das Festival zieht rund 3.000 Künstler und etwa 180.000 Zuschauer an, wurde jedoch von 300 maskierten Personen heimgesucht, die mit der Polizei in Auseinandersetzungen gerieten. Es wurden schwere Sachbeschädigungen begangen, die heute noch sichtbar sind 
Trotzdem haben wir am Le Square noch ein Restaurant gefunden, in dem wir fut zu Abend gegessen haben. Vor allem die Vorspeisenplatte aus lokalen Wurst- und Käsesorten sowie die Creme Brullee mit wird uns 

Heute hatten wir super Wetter, etwas skeptisch sind wir aus 3 Gründen für morgen: Die



Dienstag, 2. September 2025

Tag11: Albi - Villefranche-de-Rouergue

Gut 1100 Hm und 78 km Fahrradstrecke: das klingt gar nicht so viel für einen Fahrradtag. Dennoch brennen unsere Oberschenkel. Es liegt wahrscheinlich daran, dass wir unsere Strecke quasi senkrecht zu den Flusstälern gelegt haben: es geht den ganzen Tag nur "auf und nieder". Und da wir Haupstrassen meiden sind viele (kurze aber heftige) Anteile mit 10% Steigung oder mehr dabei. Das geht auf die Oberschenkelmuskulatur und die Ausdauer. Bei mir wird auch Arm- und Schultermuskulatur durch das Hochschieben trainiert. Frank und Falko schaffen (fast) alles zu fahren. Ein Anteil mit über 10% bergab auf unasphaltierter Strecke meiden wir und nehmen stattdessen lieber die Hauptstrasse: bergab schieben lehnen wir alle 3 ab.
Trotzdem: ein toller Tag!

Tag 11: Albi - Villefranche-de-Rouergue

Heute sind wir 77km gefahren - klingt wenig, aber angesichts der knapp 1200 Höhenmeter reicht's mir für heute dann auch. Zum Wetter: geregnet hat es nur beim Abendessen, während wir im Trockenen saßen. Mehr Positives lässt sich über das Abendessen nicht sagen. Doch zurück zur heutigen Etappe:

Bei der Stadtausfahrt von Albi gab es nochmal einen schönen Blick zurück auf Kathedrale und Altstadt. 

Unterwegs war es landschaftlich anspruchsvoll, wir fahren senkrecht von Flusslauf zu Flusslauf: das bedeutet ständiges bergauf und bergabfahren. Gegen Mittag gelingt es uns, in Laguepue etwas zu essen zu finden, bevor es den nächste Hügel zu erklimmen gilt.
Zum heutigen Etappenziel Villefranche-de-Rouergue ist anzumerken, dass hier ein stolzes, unbeugsames Völkchen zu leben scheint: man hat einen Bauernaufstand wegen hohen Geldforderungen angezettelt, den gesandten Stadthalter von Heinrich dem 4. abgemurkst, die Truppen der heiligen Liga vertrieben und auch sonst keine externe Führungskraft geduldet. Irgendwie sind mir die Eingeborenen sympathisch. Darauf stoßen wir heute an.
Die Stadt Villefranche-de-Rouergue ist Trägerin der Auszeichnung 'Drei Blumen'. Was auch immer das bedeutet: Macht mit der Information, was Ihr für richtig haltet. Prost.

Tag 10: Castelnaudary - Albi

Mit 100km und knapp 800 Höhenmetern wieder eine überdurchschnittlich anstrengende Etappe - wie alle Etappen dieses Jahr. 
Das Wetter ist besser als befürchtet: wir fahren ohne Regen los und kommen ohne Regen an. Dazwisch haben wir die Regenjacken mehrfach an und ausgezogen, doch so richtig nass sind wir nicht geworden.
Ein Großteil der heutigen Etappe folgt einer ehemaligen Bahntrasse, die zurückgebaut und zu einem Radweg umfunktioniert wurde.

Ärgernis des Tages war der Matsch des Grauens bei km 75: auf einer Länge von knapp 50m ist der Weg durch Regen aufgeweicht und vermatscht. Der bindige Boden klebt am Rad fest und verstopft alles. Selbst beim Schieben kleben nach wenigen Schritten tellergroße Matschklumpen unter den Schuhen.
Vor Ort versuchen wir, den größten Dreck zu entfernen, der Rest, so denken wir, fällt von alleine ab - doch das stimmt nicht: der Matsch härtet zu Ziegelstein aus. 
Weiter geht's nach Albi (~50.000 Einwohner), einer dieser geschichtsträchtigen französischen Städte, die mir bis gestern noch völlig unbekannt waren.


Sonntag, 31. August 2025

Tag 09: Ax les Thermes - Castelnaudary

Heute sind wir eine schöne 107 km Tour bei herrlichem Wetter Richtung Nordosten gefahren. Gestartet sind wir auf ca. 720 Hm und sind nun auf 160 Hm. Das klingt nach einem leichten Fahrradtag, aber wir haben trotzdem noch über 600 Hm erradelt und das bei starkem Gegenwind mit Böen von bis zu 60 km/h (laut Wetter-App). Daher war auch der heutige Tag relativ anstrengend.
Mit dem Wetter hatten wir wieder viel Glück: wir sind bei strahlendem Sonnenschein gefahren und erst beim Abendessen ist dann ein schweres Gewitter aufgezogen, welches das Restaurant "unter Wasser" gesetzt hat. Das Personal hat schnell Eimer und Wischmops parat gehabt. Die Küche schien vom Gewitter nicht betroffen, denn das Essen war superlecker.

Samstag, 30. August 2025

Tag 08: Andorra - Ax les Thermes

Es gibt nur wenige Möglichkeiten nach Andorra und wieder hinaus zu gelangen. Bei der Planung hatten wir nur 3 drei sinnvolle Wegstreclen nach Andorra identifiziert. Da relativ schnell feststand, dass wir auf keinen Fall dort wieder rausfahren, wo wir reingekommen sind und von Süden nach Norden fahren wollten, stellte sich die Route somit fast von selbst auf.
Jedoch nicht nur für uns, sondern auch für viele andere, die die Straßen mit ihren Autos, Motorrädern und auch Fahrrädern bevölkerten, so dass recht viel Verkehr herrschte. Vom Hotel an ging es gleich bergauf mit Steigungen zwischen 3 und 11 % bis auf eine Höhe von 2.408 m ü. NN. Somit waren vom Hotel aus etwa 1.400 Höhenmeter zu bewältigen. Obwohl die Beine immer schwerer wurden, was sich darin zeigte, dass die Höhenmeter zwischen unseren Pausen immer kürzer und die Zuckerdosen (in Form von Weingummis) immer größer wurden, haben wir den Anstieg gut gemeistert. Da der Pass auch von der Tour de France und La Vuelta genutzt wird, waren auch viele sportlich ambitionierte Fahrradfahrer mit teuren Rädern und ohne Gepäck unterwegs (die uns alle überholt haben).
Nach der Passhöhe, die etwa bei km 27 erreicht war, ging es nur noch bergab, leider meist so steil, dass die Hände vom vielen Bremsen schmezten. Nun hocken wir zufrieden in Ax les Thermes, haben gut gegessen und die Beine im Thermalwasser baumeln lassen ....

Tag 08: Andorra - Ax-les-Thermes

Die Fahrt nach Andorra la Vella, der Stadt in Andorra, die gemeinhin als Hauptstadt bezeichnet wird, war auf den letzten Kilometern unangenehm. 

Die Fahrt raus aus Andorra la Vella ist nochmal um einiges schlimmer. Eine nicht enden wollende Blechlawine rollt nach Frankreich, gefüllt mit billigem Benzin, Alkohol, Zigaretten und sonstigen hochpreisigen Waren. Bei Benzinpreisen von 1,30€ pro Liter (Stand heute, August 2025) rechnet sich der Ausflug. Und da wundert es nicht, dass die Autos größtenteils über den Gebirgspass Port d'Envalira anstelle des gebührenpflichtigen Tumnels fahren. Die paar Höhenmeter vom Tunnelportal zum Pass machen für den vollbeladenen PKW kaum einen Unterschied. Zumal das Benzin in Richtung französischer Grenze nochmal 0.2 Cent billiger wird. In Europa reden wir ständig über den Kampf gegen die Steueroase in der Karibik und sonstwo, aber dass wir uns in Europa gegenseitig über den Tisch ziehen, spricht niemand an. 
Die Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Andorra sind hochpreisiger und jünger, als die Fahrzeuge aus Frankreich, was nicht wundert, denn überall auf der Welt (auch in Deutschland) gehören die Hintermänner der Steuerhinterziehung zu den Topverdienern. 
Ich schweife ab, zurück zum heutigen Tag: wir reihen uns ohne Zigaretten, Alkohol und Benzin in die Fahrzeugschlange ein und fahren hoch zum Port d'Envalira, dem höchsten Pass der Pyrenäen. Wenn wir schon mal hier sind, dann wollen wir auch den höchsten Pass dwr Region überqueren - man gönnt sich so sonst auch alles.
Andorra la Vella liegt auf einer Höhe von etwa 1000m, Port d'Envalira auf 2408m. Der Anstieg von 1400 Höhenmetern ist in weniger als 27km vollbracht - das lockt unglaublich viele Rennradfahrer an, die mit uns den Berg hochfahren. Oder uns entgegenkommen. Oder beides.
Der Anstieg ist steil, die Steigung selten unter 7%, meist höher oder viel höher.
Andorra ist nicht Mitglied der EU, was bedeutet, dass unsere Handyverträge kein kostenloses Datenvolumen bereitstellen und die Einwahl in das Mobilfunknetz von Andorra schnell teuer wird. Franks Jungs (C-Jugend) haben aber um 15:00 ein Pokalspiel, zu der Zeit müssen wir im französischen Netz angekommen sein, damit Frank über den Fortgang des Spiels in Echtzeit informiert werden kann. Das schaffen wir dann auch: gegen 13:45 erreichen wir die Passhöhe Port d'Envalira.
Wir machan auf 2408m kurz Pause. Statt die Landschaft zu genießen betrachten wir die zwei Tankstellen, die genau auf der Passhöhe stehen - Andorra halt. 
Von der Passhöhe Port d'Envalira geht es bergab zu unserem heutigen Zielort Ax-les-Thermes, der wegen seinen Thermalquellen bekannt ist. Franks Jungs haben das Pokalspiel 4:3 gewonnen.

Freitag, 29. August 2025

Tag 07: Furnells de la Muntanya -Andorra

Ich bin davon überzeugt,  dass unser heutiger Zielort Andorra la Vella eine Partnerstadt von Sindelfingen sein muss: a) Andorra la Vella ist voll auf den Autoverkehr zugeschnitten, b) ich habe 3 grosse Mercedes-Benz Niederlassungen gesehen und c) wenn Platz vorhanden ist und es einfach/billig umzusetzen ist, wird ein Fahrradzeichen auf den Boden gemalt, wenn es kompliziert wird, dann wird der Fahradfahrer alleine gelassen.

Aber bis auf die letzten 7 katastrophalen Fahrradkilometer in Andorra war der Tag wieder super. Die Pyrenäen sind einfach herrlich und wir hatten wieder Glück mit dem Wetter: wie auch gestern setzte der Regen erst  ein , als wir im Hotel angekommen sind. 





Donnerstag, 28. August 2025

Tag 06: St. Juan - Fornells de la Muntanya

Die Wettervorhersage hat uns heute zum kurzfristigen Tourumplanen bewegt: da Dauerregen ab 12.00 zu erwarten war hatten wir keine große Lust uns wieder 900 Hm auf den Coll de Jou mit über 10% Steigung hochzuquälen. Daher haben wir beschlossen die wunderschöne Landschaft 

einzutauschen gegen die Fahrt an der Hauptstrasse. Wir wurden positiv überrascht mit einem schönen Radweg entlang einer alten Bahnstrecke. Und wir hatten noch mehr Glück:

mit Eintreffen am Zielort gegen 13.00 fing der Regen an. Und in unserer Herberge in Fornells de la Montanya haben wir gerade ein superleckeren 3-Gänge Mittagessen bekommen. Ich freue mich auf das heutige Abendessen.


Tag 06: Sant-Joan - Fornells de la Muntanya

Die ersten Etappen der diesjährigen Tour waren durch die langanhaltende Hitze durch die französische Sonne geprägt. Nun, das Problem haben jetzt nicht mehr: gestern und heute wird unsere Tour durch die Wettervorhersage strukturiert. 

Gestern haben wir den Vormittagsberg pünktlich zur 12:00-Regen geschafft, den Nachmittags-Berg dann bis zum Abend-Regen. Eigentlich sind wir trocken geblieben, wenn es nicht im Restaurant bei Starkregen durch die Decke getropft hätte. Genau auf mich.
Heute hat die Wettervorhersage nur ein kurzes regenfreies Zeitfenster bis 12:00 Uhr vorhergesagt. Genug Zeit, um unsere 670 Höhenmeter auf 38km trocken hinter uns zu bringen, was wir dann auch auf die Minute genau geschafft haben. Mit Ankunft in unserer Unterkunft setzt der Regen ein.
Eine Teil der Strecke folgen wir einem Radweg, der auf einer zurückgebauten Bahnlinie aus dem 19. Jahrhundert angelegt ist. Sehr Angenehm, da Züge seinerzeit nur geringe Steigungen bewältigen konnten.

Die Unterkunft wird hauptsächlich von Wanderern besucht, mittags gibt es ein 3-Gänge-Menu, Rotwein inklusive. Dem bin ich ja nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil: da bin ich hochmotiviert dabei - und ich meine nicht die drei Gänge. Schon beim Frühstück heute morgen war ich begeistert vom dem Herrn am Nachbartisch, der zum Baguette einen Rotwein getrunken hat. 
Für morgen lässt die Wettervorhersage nichts gutes erwarten.

Mittwoch, 27. August 2025

Tag 05: Prats-de-Mollo - St. Juan

Heute starten wir bei Regen im französischen Parts-de-Molle, dann geht es in 13 km um 800 Hm auf den Col de Ares mit 1513 Hm auf catalanischer Seite.
Man könnte auch sagen: auf spanischer Seite, aber man merkt überall, dass alles spanische eher unerwünscht ist. Alles ist in catalan und auch im Restaurant muss man nach Speisekarten in spanisch fragen. Immerhin gibt es die Möglichkeit auf spanisch zu kommunizieren, aber gern gesehen wird es hier nicht. Egal: google translate kann auch catalanisch.
Übernachtet wird heute in dem netten, kleinen catalanischen Ort St. Juan. Der Ort liegt nicht direkt auf unserer Route, und wir haben einen Umweg von 6 km und 350 Hm bergab in Kauf genommen. Für morgen früh heißt es dann leider die gleichen 350 Hm wieder bergauf zu fahren. Und auf den kleinen Nebenstraßen, die wir fahren, sind auch 10% Steigungsanteile dabei. Besonders der Vollständigkeit de Bürgers ist sehr anstrengend. Aber landschaftlich ist es heute wieder eine sehr schöne Strecke.

Dienstag, 26. August 2025

Tag 04: Argeles sur Mer - Prats de Mollo

Als wir im Jahr 2005 das letzte Mal in Spanien Fahrrad gefahren sind, waren wir am Ende etwas wehmütig, weil dies unweigerlich auch bedeutete, die letzte originale Creme Katalan gegessen zu haben..
Dieses Jahr ist unsere Mission, das damals vergessene Land Andorra mit einem Aufenthalt quasi "einzusammeln" auf der Liste der Europa-Radtour-Länder. Aus oben genannten Gründen war schnell klar, dass wir Andorra von Süden ansteuern würden, um so noch zwei Nächte in Spanien verbringen zu können.
Zwar sind wir aktuell noch in Frankreich, doch glücklicherweise halten wir uns im Landesteil Nordkatalonien auf, welcher an Spanien, Andorra und das Mittelmeer grenzt.
Bis zum 17. Jahrhundert gehörte dieses Gebiet zum Fürstentum Katalonien und damit zur Krone von Aragon/Spanien. Durch den Pyrenäenfrieden von 1659 (Ende des Französisch-Spanischen Krieges) fiel der nördliche Teil Kataloniens an Frankreich.
Traditionell wird hier noch Katalanisch gesprochen, neben Französisch. Viele Ortsschilder sind zweisprachig. Und auf der Speisekarte finden sich bereits katalanische Gerichte wieder, so dass wir schon heute in den Genuss unseres Traditionsnachtisches kamen, soweit der Hunger nach üppiger Vor- und Hauptspeise dies noch zuließ 
Die letzte offene Frage ist, warum wir Andorra nicht bereits damals im Jahr 2005 einen Besuch abgestattet haben. Nun, die Antwort konnten wir heute am eigenen Leib erfahren: Während wir damals nur im küstennahen und somit flachen Gebirge unterwegs waren, mussten wir uns heute bereits mit Steigungen von bis zu 9 % herumschlagen. Tendenz für die nächsten drei Tage: stark ansteigend.

Tag 04: Argeles sur Mer - Prats-de-Mollo

Mit einer Strecke von 65km ist die heutige Etappe nicht sonderlich lang, aber die 886 Höhenmeter waren für meinen Geschmack etwa 800 Höhenmeter zu viel. Nun, Radtouren sind kein Wunschkonzert. 

Rund um Amélie-les-bains folgt der Radweg Eurovelo 8 einer alten Bahntrasse, was immer dann Spaß macht, wenn wir mit dem Fahrrad eine alten Eisenbahnbrücke  zum Quere  eines Flusses oder eines Tals nutzen können.

In Deutschland feiern wir jede Fahrradbrücke mit Marschkapelle und Feierlichkeit, hier ist sowas offensichtlich eher selbstverständlich. 

 Zwischendurch wurde die eine oder andere Brücke zuviel abgebrochen, da fallen dann einige Höhenmeter extra an. Da ist es dann so, wie in Deutschland auch.

Eine der Eisenbahnbrücken bietet einen Blick auf die 1320 bis 1340 errichtete Teufelsbrücke, die mit einer Spannweite von 45m seinerzeit die größte Brücke der Welt war. Im Bild unten ist es übrigens die hinteren der beiden Brückenbauwerke.

Im weiteren Verlauf folgen wir der Straße entlang des Flusses Tech stromaufwärts bis nach Prats-de-Mollo-la-Preste. Die Straße ist unglücklicherweise so trassiert, dass wir fast ständig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Angesichts einer Steigung von über 7% kein reiner Genuss. 
Ich werde mich über die Sonne aber hier nicht beschweren, denn leider lässt der Wetterbericht für die nächsten Tage nichts gutes erwarten. Erst vor kurzem (im Oktober 1940) wurde das Tal nach viertägigem Dauerregen nachhaltig zerstört. Hoffen wir mal, dass es diesmal nicht ganz so schlimm wird.